In Camus’ Roman “L’Etranger” oder “Der Fremde”, allseits bekannt aus dem Französischunterricht, wird ein Mann, Meursault, unter der heißen Sonne Algeriens zum Mörder. Es war wegen der Sonne, begründet er seine Tat vor Gericht. Zum Verhängnis wird ihm letztendlich aber weniger der Mord an sich, sondern dass er keinen Sinn in den Werten der Gesellschaft sieht und ihnen gleichgültig und passiv gegenüber steht.
Zur Zeit verstehe ich Meursault sehr gut. Ich habe zwar nicht vor, jemanden zu erschießen, aber bei dieser Hitze, die momentan herrscht, wird mir alles egal. Mir fehlt einfach die Kraft, mich groß zu kümmern. 30 Grad sagt momentan das Thermometer für Stuttgart, 32 Grad sollen es im Lauf des Tages noch werden (in Algier sind es übrigens jetzt schon 32 Grad). Diese Temperaturen werden aber erst richtig schlimm durch die typische Schwüle des Stuttgarter Kessels, in dem ein Regenschauer die gleiche Wirkung hat wie ein Aufguss in der Sauna. Bei diesem Wetter bin ich nicht mehr in der Lage, engagiert und konzentriert irgendwelchen mehr oder weniger produktiven Tätigkeiten nachzugehen, auch wenn ich gerne würde. Nachts kann ich kaum schlafen und als Folge tagsüber nur kraftlos leidend herumhängen, aber ohne dass ich mich dabei erholen würde.
Der einzige Trost ist die Vorhersage, dass die Temperaturen sich schon am kommenden Wochenende ein paar Grad Richtung Gefrierpunkt bewegen sollen.