Drei Monate ist es nun schon her, dass sich ganz Deutschland in ein Fußball- Märchenland verwandelt fühlte. Das Sommermärchen namens WM war am 9. Juli vorbei, doch ein wenig dieses Gefühls kommt jetzt mit dem Kino-Start der Dokumentation “Deutschland. Ein Sommermärchen” von Sönke Wortmann zurück. Wortmann war von den Trainingslagern vor der WM bis zum umjubelten Auftritt der Nationalmannschaft am Brandenburger Tor, einen Tag nach Gewinn des 3. Platzes, ganz nah an der Mannschaft und durfte mit seiner Kamera sogar bis in die Umkleidekabinen hinein.
Noch erfüllt von den WM-Erinnerungen (und neugierig auf die Szenen aus den Umkleidekabinen), konnte ich mir das “Sommermärchen” natürlich nicht entgehen lassen. Das Kino war fast ausverkauft, viele Zuschauer trugen Trikots und verbreiteten schon vor Beginn Fankurven-Stimmung. Mein Fazit? In einer Rezension habe ich die Beschreibung “Kammerspiel” gelesen und die trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut. Der Film ist eine eher sachliche Dokumentation, und zwar eine über die deutsche Mannschaft, wie sie dieses Turnier bestreitet. Von der WM an sich, sprich den anderen Teams, der allgemeinen Begeisterung im Land, bekommt der Zuschauer nur am Rande etwas mit. Dazu kommt der oft nüchterne Schnitt: Mehrmals, besonders bei den Spielszenen, hatte ich auf Momente der Spannung und großen Gefühle gehofft (hervorgerufen zum Beispiel durch dramatische Musik und Zeitlupe bei den entscheidenden Szenen) - aber stattdessen kam knallhart ein Cut zu einem interessanten, aber doch eher spannungsfreien Spielerinterview. In solchen Momenten hätte ich mir dann doch gewünscht, dass Wortmann ein klein wenig mehr auf der Hollywood-Tastatur der Emotionen spielt (”Bitte weinen Sie… jetzt!”). Denn ich bin ja in erster Linie ins Kino gegangen, um die Gefühle von damals wieder so aufleben zu lassen, als hätte die Nacht des 8. Juli nie geendet. Gefallen an der allgemeinen Nüchternheit hat mir aber, dass - ohne eine dramatische Stimme aus dem Off oder Ähnliches - alles sehr authentisch, einfach sehr echt und nah, wirkte und viele Situationen erst richtig witzig: Es gab einige Stellen, an denen dar ganze Saal gebrüllt hat vor Lachen (”… und schon gar nicht von Polen!”).
Letztendlich wird das “Sommermärchen” wahrscheinlich allen gefallen, die die WM direkt erlebt und während dieser Zeit mit der deutschen Nationmalmannschaft mitgefiebert haben - und die nicht die große cineastische Gefühlsduselei erwarten. Für mich war es einfach hochinteressant, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können und für knappe zwei Stunden hautnah (im wahrsten Sinne des Wortes) an diesem beeindruckenden Team dran zu sein, während es nach den Sternen griff - und sie in gewisser Weise auch erreichte, wenn auch nicht so wie geplant. Von mir gibt’s für all das 4 von 5 Sternenstaubkörnchen.