Posted by Ina on 25th Oct 2006

Webmontag #3

Trotz Erkältung und Kopfschmerzen habe ich mich am Montag abend an die Vaihinger HdM zum dritten Stuttgarter Webmontag geschleppt. “Semantic Web” war das Thema, zu dem in losem Bezug drei Vorträge gehalten wurden: Prof. Capurro erklärte einem (fast zu) gut gefüllten Vorlesungssaal den grundlegenden Zusammenhang zwischen Hermeneutik, Semantik und dem Internet (hier gibt’s eine kleine Zusammenfassung und weiterführende Infos). Sehr theoretisch und abstrakt, aber natürlich äußerst interessant. Konkreter wurde es bei Jan Theofel, der am Beispiel seines WM-Kochblogs über die Planung und Durchführung eines großen Weblog-Projekts sprach. Den dritten Vortrag hielt Max Völkel vom FZI Karlsruhe über das Thema Semantic Wikipedia, ein Projekt, bei dem das Prinzip des Semantischen Webs auf Wikipedia übertragen wird. Mehr zu den Inhalten der Vorträge (und auch das Drumherum) gibt es bei SoSo und bei Henning Schürig.

Zur groben Erklärung für die, die sich nicht durch die Links wühlen wollen: Beim Semantic Web geht es darum, die Unmengen an Daten, die das Internet liefert, oder besser deren inhaltliche Bedeutung (=Semantik) auch für ‘dumme’ Programme les- und interpretierbar zu machen. Das Ziel ist, gezielter nach benötigten Daten suchen zu können und die Daten auch in andere Programme übertragbar, sie also besser vernetzbar zu machen. Derzeit ist das Web, trotz aller technischer Fortschritte, oft noch ähnlich aufgebaut wie klassische Medien (wie zum Beispiel Bücher - mit dem Unterschied dass man bei Wikipedia sehr viel einfacher von einer Seite zur nächsten kommt als bei einem Papier-Lexikon). Klassische Suchmaschinen sind zwar hilfreich, haben aber ihre Grenzen, da sie den Text zwar lesen und so Suchbegriffe finden können, die jeweilige Bedeutung und den Kontext müssen die Nutzer aber immer noch selbst feststellen.

Beim Webmontag wurde auch die These in den Raum geworfen, dass das Semantic Web die nächste Stufe der Internet-Entwicklung darstellt, sozusagen das Update von Web2.0 auf 3.0. Natürlich möglich, davor steht allerdings die Frage, ob das Semantic Web auch von der Masse der Nutzer angenommen wird, vor allem da es für den Otto-Normal-User auf den ersten Blick ein doch eher sperriges Konzept darstellt (und dass dieses grundsätzlich nur mit einem Haufen Fremdwörtern kommuniziert zu werden scheint, für die man einfach in der Materie sein muss, hilft da auch nicht weiter). Zudem hat auch das Semantic Web seine Probleme: Wer bestimmt den Standard, nach dem die Daten bezeichnet werden (zumindest in einem gewissen Rahmen)? So ganz ohne Standard endet das Vorhaben vermutlich ähnlich wie der Turmbau zu Babel, jeder spricht seine eigene Sprache und keiner kann den anderen verstehen. Wahrscheinlich wird sich nach einiger Zeit ein Standard einfach still und leise gegen die anderen durchsetzen und so zu dem Standard werden (wie es bei anderen Web-Ideen und -Technologien auch geschehen ist). Dann könnte das Semantic Web wirklich zum Next Big Thing werden.

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