Letzten Donnerstag war der große Tag, an dem die Kollektion von Madonna in die H&M-Filialen kam - und ich war hin- und hergerissen, ob ich mich in den zu erwartenden Ansturm hineinstürzen sollte. Einige Stücke sahen auf den Plakaten wirklich ganz hübsch aus (auf jeden Fall eleganter als der Trainingsanzug vom letzten Sommer) - und ich bin ja eigentlich moralisch verpflichtet, Madonna und H&M zu unterstützen.
Also begab ich mich morgens gegen 10 zu einem der vier H&Ms hier in der Stadt, in Erwartung langer Schlangen vor und Massen hemmungslos drängelnder Frauen im Laden. Doch die Wirklichkeit war geradezu langweilig: Der Laden war zwar gut besucht, aber es herrschte weder dichtes Gedrängel noch wurden panisch Kleidungsstücke von den Stangen gerissen. Manchmal nur stürzte sich eine Kundin auf die gestresste Mitarbeiterin, die für Nachschub sorgte, und bat sie mit panischem Unterton, ihr doch bitte noch einen schwarzen Kroko-Korsettgürtel zu beschaffen (aber der war wohl das begehrteste Stück und ziemlich schnell ausverkauft).
Es ist also nur ein Gerücht, dass Frauen am ersten Tag eines Schlussverkaufs oder einer neuen Kollektion grundsätzlich und immer an den Regalen übereinander herfallen und sich mit den Kleiderbügeln gegenseitig die Augen ausstechen. Was ich heute aber mal wieder beobachten konnte: Sobald auch nur eine Frau dabei ist, die etwas hektischer in den Klamotten wühlt und dabei böse Blicke nach links und rechts wirft, löst das offenbar sehr schnell einen modischen Futterneid bei den anderen Frauen aus. Plötzlich ergreift jede die latente Angst, dass die anderen ihr die besten Stücke wegschnappen werden und verfällt genauso in diese subtil aggressive Hektik.
Manchen soll ja Einkaufen auf diese Weise besonders viel Spaß machen. Mir ganz und gar nicht, weswegen ich auch schon bald ins nächste H&M flüchtete, wo es sehr viel entspannter zuging. Alles war noch in ausreichenden Mengen vorhanden und Kundinnen und Verkäuferinnen scherzten heiter miteinander. Ergattert habe ich letztendlich einen schönen cremfarbenen Blazer mit passendem Gürtel, ein schwarzes Hemdblusenkleid und eine Seidenbluse in creme. Zwar alles einen Tick eleganter als mein normaler Stil, aber es kann ja nicht schaden, sich jetzt schon auf ein erfolgreiches Berufsleben einzustellen - wenigstens was den Inhalt des Kleiderschranks betrifft.