Schon seit einer Woche zieren offizielle Hochschulstempel die vier gedruckten Exemplare meiner Bachelorarbeit. Sie ist also fertig, ich kann nichts mehr dafür tun - auch wenn mich ab und zu noch das spontane Bedürfnis packt, weiter daran zu arbeiten, sie noch besser zu machen. Monate voller Stress und schlechtem Gewissen, sobald ich mal nicht an der Arbeit saß, lassen sich wohl nicht so leicht abschütteln.
Was habe ich sehnsüchtig Pläne geschmiedet für die Zeit nach dem großen Tag: viel feiern, viele schöne Bücher lesen, viele Filme schauen, viel einkaufen gehen, den ganzen Tag gelangweilt in Cafés herumsitzen, einfach nur weil ich es kann. Aber auch bewerben auf all die tollen Arbeitsstellen, die auf mich warten, sobald ich endlich fertig bin. Endlich sich nicht mehr nur fürs Studium stressen, sondern für einen richtigen Job, mit dem ich die Welt verändern und dabei auch noch Geld verdienen kann.
Aber nach einer Woche sieht die Lage etwas anders aus als geplant: Als ich endlich feiern wollte, bin ich vor Müdigkeit fast umgefallen. Filme habe ich so wenige gesehen wie Klamotten-Läden von innen und das Leben in Cafés ist auf Dauer einfach zu teuer. Wenigstens das Lesen klappt einigermaßen, dank Harry Potter #7. Aber über das Thema Bewerbungen will ich am liebsten noch gar nicht nachdenken. Ich bekomme zwar genug Ratschläge in die Richtung: “Mach’ doch erst mal Pause, fahr’ in Urlaub, das Arbeitsleben wird noch früh genug anfangen.” Stimmt ja auch. Aber auf der anderen Seite werde ich auch schon jetzt, direkt nach Abgabe der Arbeit, ständig gefragt: “Hast du schon einen Job? Noch nicht?? Aber du bewirbst dich schon, oder?” - so dass ich das Gefühl bekomme, dass der Zug demnächst ohne mich abfährt, wenn ich nicht möglichst schnell mein Ticket kaufe. Dabei muss ich doch erst noch herausfinden, wie das, was mir beruflich vorschwebt, sich überhaupt genau nennt (soweit ich mir schon einen Überblick verschaffen konnte, scheinen sich die potenziellen Arbeitgeber in diesem Punkt aber auch noch nicht ganz sicher zu sein).
Ich fühle mich gerade wie zwischen zwei Leben. Das eine konnte ich erfolgreich abschließen, was mich aber auch viel Kraft gekostet hat - vielleicht kommt mir deswegen auch das Leben, das jetzt folgt, gleichermaßen spannend und bedrohlich vor. Die Welt steht mir nun offen, eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung. Wie soll es nun weiter gehen? Die schlechteste Antwort auf diese Frage wäre wohl, wenn ich die Zeit nur mit Ängsten und Grübeleien über meine Zukunft verbringe und so zum einen meine Batterien nicht optimal wieder auflade, zum anderen und vor allem aber auch keinen Schritt voran komme. Doch wie findet man im Labyrinth namens Leben den richtigen Weg; den, auf dem man voller Vertrauen, Zuversicht und Motivation auf das Ziel der beruflichen wie persönlichen Erfüllung hin zuschreiten kann? Gibt es diesen Weg überhaupt?